📝Leitartikel des Fidus-Managers: Dariusch Mimar
Der endgültige Kampf der USA gegen die Islamische Republik
Ist der Sieg im Krieg wichtiger oder der Sieg in der Erzählung?
Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf die Frage, welche Seite im Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gegen die Islamische Republik siegreich ist, nicht allzu kompliziert zu sein. Im Rahmen klassischer militärischer Gleichungen neigt die Waage eindeutig zugunsten Washingtons und seiner Verbündeten. Die Vereinigten Staaten sind die größte Militärmacht der Welt, und der Abstand ihrer militärischen Fähigkeiten zu vielen anderen Akteuren ist erheblich; von Flugzeugträgern und Luftüberlegenheit bis hin zu einem weitreichenden Netzwerk militärischer Stützpunkte rund um den Iran und dem Zugang zu den fortschrittlichsten Kriegsführungstechnologien.
Dennoch, wie Carl von Clausewitz in seiner Kriegstheorie erinnert, bedeutet der Sieg auf dem Schlachtfeld nicht zwangsläufig den Sieg auf dem politischen Feld. Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, und das endgültige Ergebnis wird im Bereich der Bedeutung, Legitimität und Erzählung bestimmt, nicht nur auf dem militärischen Feld.
Identitätskrieg und gegensätzliche Erzählungen
Aus dieser Perspektive könnten Teile der Unterstützer der Islamischen Republik diesen Krieg nicht nur als geopolitischen Konflikt, sondern als identitäts- und religionsbezogenen Kampf interpretieren. In einem solchen Rahmen könnte der Tod des 87-jährigen Führers der Islamischen Republik schnell zu einer mythologischen Erzählung werden; einer Erzählung, in der Ali Khamenei nicht als gescheiterter Führer, sondern als Symbol des „Widerstands gegen große Mächte“ neu definiert wird.
Im Gegensatz dazu wird für einen großen Teil der iranischen Gesellschaft sein Tod als das Ende des politischen Lebens eines Führers angesehen, den viele für die Unterdrückung und weit verbreitete Gewalt gegen die Bürger verantwortlich machen.
Hier wird auch die Analyse von Hannah Arendt wichtig. Sie unterscheidet zwischen „Macht“ und „Gewalt“ und betont, dass Gewalttaten wie militärische Angriffe oder Revolutionen Regierungen schwächen können, aber allein nicht neue politische Legitimität schaffen können. Aus dieser Sicht könnte, selbst wenn eine Seite auf dem Schlachtfeld siegt, der wirkliche Kampf im Bereich neu entstehender Erzählungen und Legitimität weitergehen.
Aus diesem Grund hängt ein nachhaltiger Sieg im Kampf gegen die Tyrannei mehr als alles andere von der Fortdauer sozialer Veränderungen und des zivilen Widerstands ab; ein Weg, der vielleicht länger ist, aber letztendlich tiefer und dauerhafter als ein bloßer Sieg auf dem Schlachtfeld sein wird.
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